Sägen, schrauben, löten und gestalten statt Langeweile in den Sommerferien: In der Handwerk-Ferienwerkstatt im Bildungszentrum der Handwerkskammer für München und Oberbayern erhalten Schülerinnen und Schüler einen praktischen Einblick in die Welt des Handwerks. Kreishandwerksmeister Jürgen Seißler machte sich vor Ort selbst ein Bild von der Aktion und kam mit den möglichen Fachkräften von morgen ins Gespräch.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den 7. bis 9. Klassen besuchen Realschulen, Mittelschulen und Gymnasien in der Region. Viele von ihnen stehen noch ganz am Anfang ihrer Berufsorientierung und wissen noch nicht, welchen Weg sie nach der Schule einschlagen möchten. Für Jürgen Seißler ist das genau der richtige Zeitpunkt, um das Handwerk kennenzulernen – und vielleicht sogar für sich zu entdecken.
Der Kreishandwerksmeister begrüßt Initiativen wie die Ferienwerkstatt ausdrücklich. Aus seiner Sicht leisten solche Projekte einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsgewinnung im Handwerk. Gerade die in der Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen organisierten Innungen seien auf engagierte und gut ausgebildete Nachwuchskräfte angewiesen. Umso wichtiger sei es, jungen Menschen frühzeitig die Vielfalt und die Chancen einer handwerklichen Ausbildung aufzuzeigen und sie für die zahlreichen Berufe zu begeistern.
Während seines Rundgangs suchte Seißler das Gespräch mit den Jugendlichen und interessierte sich für ihre Eindrücke. Dabei ermutigte er sie, aktiv auf Handwerksbetriebe zuzugehen. „Fragt ruhig bei den Betrieben nach, welche Chancen ihr mit euren Schulnoten habt“, lautete sein Rat. Praktika seien eine hervorragende Möglichkeit, verschiedene Berufe kennenzulernen und herauszufinden, welche Tätigkeit den eigenen Interessen und Fähigkeiten entspricht. Schließlich gibt es in Deutschland rund 130 anerkannte Handwerksberufe.
Die Motivation der Jugendlichen für die Teilnahme an der Ferienwerkstatt ist ganz unterschiedlich. Auf die Frage, warum er sich angemeldet habe, antwortete ein Schüler: „Ich wollte in den Sommerferien unbedingt etwas machen. Das weiß ich schon seit Weihnachten. Für einen Ferienjob bin ich aber noch zu jung. Also habe ich mich hier angemeldet.“
Viele der Teilnehmer erfuhren über ihre Eltern von dem Angebot. Diese wiederum wurden durch die Schulen auf die Ferienwerkstatt aufmerksam gemacht. Besonders gut kommt bei den Jugendlichen an, dass sie innerhalb weniger Tage fünf verschiedene Gewerke kennenlernen und selbst praktisch arbeiten können. Gerade diese Abwechslung macht den Reiz der Ferienwerkstatt aus und vermittelt einen authentischen Eindruck von den unterschiedlichen Tätigkeiten im Handwerk.
Für Jürgen Seißler bietet das Handwerk jungen Menschen hervorragende Zukunftsperspektiven: „Der Schritt ins Handwerk ist kein verkehrter. Nach der Lehre hat man einen anerkannten Berufsabschluss.“ Gleichzeitig eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung – bis hin zur Meisterprüfung oder zur Selbstständigkeit.
Neben der Ferienwerkstatt bietet die Handwerkskammer für München und Oberbayern mit dem Projekt „Fünf Berufe in fünf Tagen“ ein weiteres Angebot zur Berufsorientierung an. Dabei besuchen komplette Schulklassen das Bildungszentrum und lernen innerhalb einer Woche verschiedene Handwerksberufe praktisch kennen. Auch dieses Projekt zeigt, wie wichtig praxisnahe Berufsorientierung ist, um den Fachkräftenachwuchs für das Handwerk von morgen zu gewinnen.

Kreishandwerksmeister Jürgen Seißler (rechts) schaute mit dem Bildungsmanager des Bildungszentrums Ingolstadt, Markus Hipp (Mitte), den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Ferienwerkstatt über die Schulter und kam mit den Jugendlichen ins Gespräch. Angeleitet wurden die Schülerinnen und Schüler von Friseur-Ausbilderin Monika Westner.
